Stickstoffkreislauf im Aquarium: Ammonium, Nitrit und Nitrat messen
Der Stickstoffkreislauf ist das Herzstück jedes funktionierenden Aquariums. Wer ihn versteht, kann viele Probleme vermeiden, bevor sie entstehen. Im Kern geht es um drei Verbindungen: Ammonium, Nitrit und Nitrat. Ammonium entsteht durch Ausscheidungen von Fischen, Futterresten und abgestorbenen Pflanzenteilen. Bakterien der Gattung Nitrosomonas wandeln es in Nitrit um, das bereits in geringen Konzentrationen giftig für Fische ist. Ein zweiter Bakterienstamm, Nitrobacter, oxidiert Nitrit zu Nitrat, das in moderaten Mengen deutlich weniger schädlich ist. Dieser Prozess läuft nicht von selbst an, sondern muss sich über Wochen etablieren. Genau in dieser Phase entscheidet sich, ob ein Becken stabil läuft oder immer wieder kippt. Wer ein neues Aquarium startet, sollte sich daher gründlich mit der Einfahrphase beschäftigen; hilfreiche Hinweise zum Ein Becken einfahren finden sich in spezialisierten Ratgebern, die den gesamten Ablauf Schritt für Schritt erklären.
Die Messung der drei Stickstoffverbindungen ist unerlässlich, um den Zustand des Filters und des Wassers zu beurteilen. Für Ammonium und Ammoniak gibt es Tröpfchentests, die zwischen NH4+ und NH3 unterscheiden. Der Anteil des giftigen Ammoniaks hängt stark vom pH-Wert und der Temperatur ab: Bei pH 7 und 25 °C liegt kaum freies Ammoniak vor, bei pH 8,5 kann derselbe Gesamtammoniumwert bereits gefährlich sein. Nitrit wird meist mit einem kolorimetrischen Test bestimmt, der bei Werten über 0,5 mg/l Alarm schlägt. Nitrat lässt sich entweder mit Tröpfchentests oder mit photometrischen Verfahren messen. Wichtig ist, regelmäßig zu messen, nicht nur bei sichtbaren Problemen. Ein plötzlicher Nitritanstieg zeigt fast immer an, dass die Bakterienkultur im Filter gestört ist – etwa nach einer Filterreinigung mit zu heißem Wasser oder nach einer Antibiotikabehandlung.
Die Interpretation der Messwerte erfordert etwas Erfahrung, denn die Zahlen allein sagen wenig aus. Ein Nitratwert von 20 mg/l ist in einem stark bepflanzten Becken unproblematisch, in einem Aufzuchtbecken für empfindliche Jungfische dagegen grenzwertig. Ammonium sollte dauerhaft unter 0,1 mg/l liegen, Nitrit idealerweise bei null. Steigt Nitrit auf über 0,3 mg/l, hilft ein sofortiger Teilwasserwechsel von 50 Prozent, kombiniert mit einer Dosierung von Bakterienpräparaten. Nitrat entfernt man am effektivsten durch regelmäßige Wasserwechsel und schnell wachsende Pflanzen, die den Stickstoff als Nährstoff aufnehmen. Wer diese Zusammenhänge kennt, kann auf Veränderungen reagieren, bevor Fische Schaden nehmen.